Institut für
Kunstdokumentation und
Szenografie
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Facing Britain

Britische Dokumentarfotografie seit den 1960er Jahren

 

Facing Britain ist die erste Ausstellung der neuen Fotoabteilung des IKS und entsteht als Touring Exhibition in Zusammenarbeit mit Partner-Institutionen. Für jede Station wird eine individuell kuratierte Ausstellung zusammengestellt, die mit neuen Positionen kombiniert wird, auch um offen zu sein für neue Fotograf*innen und Themen!

Falls Sie weitere Informationen wünschen, freuen wir uns auf Ihre Anfrage!

 

27.09. – 8.11.2020

Museum Goch

 

Herbst 2021

Kunsthalle Darmstadt

 

Frühjahr / Sommer 2022

Mönchehaus Museum Goslar

 

 

Installationsansicht Museum Goch

 

"Weltklasse"

Corinna Denzer-Schmidt, Niederrhein Nachrichten

 

Foto: John Myers. Mr Jackson, 1974 © John Myers

 

Facing Britain vereint erstmals nahezu alle wichtigen Vertreter*Innen der Britischen Dokumentarfotografie in einer großen Übersichts-Ausstellung außerhalb Großbritanniens.

 

Lange vergessene und erst in den letzten Jahren wiederentdeckte Positionen wie John Myers, Tish Murtha oder Peter Mitchell werden neben Arbeiten von Weltstars wie Martin Parr gezeigt. Die Schau bietet so einen einzigartigen Einblick in die mit Kontinentaleuropa und Nordamerika verflochtenen, aber auch unabhängigen Entwicklungen auf dem Feld der Fotografie im Vereinigten Königreich.

Das Dokumentarische erweist sich als eine der großen Stärken der britischen Fotografie, die einen Teil Europas im Wandel facettenreich, überraschend und künstlerisch originell abzubilden vermag. Als zeitliche Klammer für Facing Britain wurde daher bewusst die Zeitspanne der Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union und ihres Vorläufers 1963-2020 gewählt. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Corona-Pandemie, erweist sich die Ausstellung als Zäsur in der künstlerischen Entwicklung einer ganzen Nation.

 

Foto: Homer Sykes. Family outing the derby horse race, 1970s © Homer Sykes

 

Beschrieben werden die verschiedenen Epochen vom Niedergang der Kohleindustrie über die Thatcher-Ära mit dem Falkland-Konflikt bis hin zum Brexit, der die Insel in zwei Lager spaltet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den von David Hurn, Tish Murtha, Daniel Meadows und Martin Parr geprägten 1970er und 1980er Jahren, als die künstlerische Dokumentarfotografie weltweit an Bedeutung gewinnt. Martin Parr beschreibt diese Jahrzehnte als:

 

„Eine prägende Zeit für die britische Fotografie, in der die Stärke der Dokumentarbewegung wirklich lebendig wurde.“

 

Martin Parr. New Brighton. From 'The Last Resort'. 1983-85 © Martin Parr / Magnum Photos

 

Anna Fox, Barry Lewis, Paul Reas. Museum Goch

 

"Liebevolles Porträt der Fremdartigkeit"

Franz Geib, Gocher Wochenblatt

 

Schon früh hatte Parr Kenntnis von der Arbeit in den Rhein und Ruhr Metropolen Düsseldorf, Köln und Essen propagierten Konzeptfotografie, die auch auf John Myers, Anna Fox und Paul Hill Einfluss hatte. In England galt das hierzulande weniger bekannte Werk von David Hurn, Chris Killip, John Myers oder Daniel Meadows als die fotografische Referenz. Der 1972 früh verstorbene Fotograf Tony Ray-Jones galt mit seiner impulsiven direkten Straßenfotografie als britischer Garry Winogrand und Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie in Großbritannien.

 

Foto: Daniel Meadows. The Brasher sisters, left: Lyn, right: Stella, Southampton. May 1974 © Daniel Meadows

 

Anders als in den USA - dort fanden bereits die ersten groß angelegten Fotoausstellung wie „Family of Man“ (kuratiert von Edward Steichen, 1955) oder „The Photographer’s Eye (kuratiert von John Szarkowsky, 1964) im MoMA in New York statt. In Deutschland zeigte der Deutsche Werkbund bereits 1929 in Stuttgart mit „Foto und Film“ eine Übersichtsausstellung zu den Arbeits- und Anwendungsgebieten von Fotografie und Film. Den Durchbruch erlangte die künstlerische Fotografie in Deutschland allerdings erst mit der Präsentation auf der documenta 5 (1972) in Kassel.

 

Foto: Black Copper, London 1985 © Dave Sinclair

 

Syd Shelton, Dave Sinclair, Homer Sykes. Museum Goch

 

"Bemerkenswerte Ausstellung!"

Stephan Hermssen, NRZ, Kultur

 

In Großbritannien galt die Fotografie bis in die 1980er Jahre nicht als autonome Kunstform. Erst ab 1985 wurden Britische Fotografe*Innen in der Photographer‘s Gallery und Barbican Art Gallery in London oder dem British Council mit Ausstellungen gewürdigt. Lediglich einzelne Fotografen wie Tony Ray-Jones oder Peter Mitchell wurden bereits ab 1969/70 mit kleinen Einzelausstellungen bedacht. Die erste große Überblicks-Ausstellung zur Britischen Dokumentarfotografie in Großbritannien fand erst 2007 unter dem Titel How We Are: Photographing Britain in der Tate Britain, London statt. Im Anschluss daran tourte die Ausstellung des British Council No Such Thing As Society: Photography in Britain 1967-1987 von 2008 bis 2010 durch Großbritannien, Polen und Schweden.
 

David Hurn. Tenby. Castle Hillat the elegant seaside town of Tenby, South Wales. 1974 © David Hurn / Magnum Photos

 

Diese späte Ehrung der Pioniere der Britischen Dokumentarfotografie zeigte auch die Schwierigkeiten der Fotografie in Großbritannien. Insgesamt fällt es der Britischen Fotografie – abseits ihrer arrivierten Magnum-Fotografen wie David Hurn oder Martin Parr – schwer, sich auf dem internationalen Markt zu behaupten –, nicht zuletzt auch wegen der sozialkritischen oder politischen Inhalte und gesellschaftskritischen Ansätze, die etwa bei Ken Grant, Tish Murtha, Homer Sykes, Paul Reas oder Anna Fox unverkennbar sind.

 

Foto: Anna Fox. Fortunes are being made that are in line with the dreams of avarice. Business, 1987 © Anna Fox

 

Facing Britain präsentiert ein Porträt der einzigartigen Fremdartigkeit Großbritanniens - geteilt, ungleich und von Klassen durchzogen, jedoch geprägt von tiefer Zuneigung, Menschlichkeit und Humor. Die Aufnahmen sprechen für sich, legen Zeugnis von künstlerischen Konzepten und Haltungen ab und vermitteln historische Kontexte. Sie fordern eine Sicht auf das heutige Vereinigte Königreich abseits der Klischees ein. Ungleichheit und Identität sind nach wie vor die Schlüsselbegriffe, welche die Nation dominieren und definieren, was die Ausstellung aktueller denn je erscheinen lässt. Früher virulente Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Niedergang der Bergbauindustrie oder Protest und Demonstration gegen die Politik von Margaret Thatcher, werden in der Ausstellung historisch beleuchtet und durch die beteiligten Fotograf*innen kritisch hinterfragt.

 

Foto: Rob Bremner. Vauxhall, Liverpool, 1987 © Rob Bremner

 

In den jüngsten Arbeiten von Kirsty Mackay, Paul Reas, Robert Darch oder Niall McDiramid spiegeln sich auch aktuelle Fragestellungen zu Themen wie Gendergerechtigkeit, Konsumgesellschaft, Brexit oder Migration.

 

Foto: Paul Reas. aus der Serie ‘I Can Help’. A critical view of consumer culture. 1988 © Paul Reas

 

Foto: Babington Lane, Derby - June 2014 © Niall McDiarmid

 

Robert Darch, Mohamed Hassan. Museum Goch

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ausstellung wird der erste Blick auf Fotograf*innen und Impulse des "Black Britain" sein, die ihre unverwechselbare Perspektive in die britische Dokumentarfotografie einbrachten und ihren eigenen Themen eine künstlerische Stimme verliehen.

 

Rock Against Racism/Anti Nazi League Carnival Against the Nazis Potternewton Park Leeds 1981 © Syd Shelton

 

Die Ausstellung Facing Britain wurde kuratiert von Ralph Goertz, der bereits Ausstellungen wie die „Martin Parr Retrospective“, „Two Rivers. Alec Soth / Joachim Brohm“, „Joel Meyerowitz Retrospective“, „Peter Lindbergh / Garry Winogrand: Women“ im NRW-Forum Düsseldorf, „Axel Hütte. Night and Day“ im Museum Kunstpalast oder aktuell „Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr“ in der Kunsthalle Düsseldorf realisierte.

 

Die Liste der beteiligten Fotograf*innen wird stetig erweitert:

Meredith Andrews, James Barnor, John Bulmer, Rob Bremner, Thom Corbishley, Robert Darch, Anna Fox, Henry Grant, Ken Grant, Judy Greenway, Mohamed Hassan, Paul Hill, David Hurn, Tony-Ray Jones, Neil Kenlock, Markéta Luskačová, Kirsty Mackay, Niall McDiarmid, Daniel Meadows, Peter Mitchel, David Moore, Tish Murtha, John Myers, Mark Neville, Jon Nicholson, Kevin O'Farrell, Martin Parr, Mark Pinder, Paul Reas, Simon Roberts, Syd Shelton, Dave Sinclair, Chris Steele-Perkins, Homer Sykes, Jon Tonks, Tom Wood und weitere.

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