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Marge Monko




Wir trafen die Künstlerin im Museum Folkwang in Essen zum Interview und durften die Ausstellung "Diamonds Against Stones" filmisch dokumentieren.

 

 

Marge Monko. Diamonds Against Stones

22. Februar – 5. Mai 2019

Die estnische Künstlerin Marge Monko (*1976) legt in ihren fotografischen und installativen Werken die vielschichtigen Beziehungen zwischen Kunst und Design offen. Als Folie dienen ihr visuelle Werbeversprechen der Luxusindustrie aus den letzten Jahrzehnten. Welche Begehrlichkeiten werden durch welche Bildsprachen geweckt und verstärkt? Und wie funktionieren die dahinter liegenden Codes aus feministischer und psychoanalytischer Perspektive? Durch den Akt des Re-Fotografierens und Re-Inszenierens transformiert Marge Monko angewandte fotografische Praktiken in künstlerische Behauptungen.

Marge Monko umkreist in ihrem Werk die sozialen Rollenbilder von Mann und Frau. Sie arbeitet mit eigenen Fotografien, aber auch mit gefundenen und angeeigneten Aufnahmen aus der Werbewelt des 20. und 21. Jahrhunderts. In ihren teils raumgreifenden Arbeiten, bei denen sie Fotografien, Filme, Objekte, 3D-Animationen und Displays zum Einsatz bringt, legt sie die Rhetorik von Wünschen und Begehren offen, die die Bildwelten der Werbeindustrie damals wie heute bestimmen.

 


In ihrer aktuellen Werkgruppe Women of the World, Raise Your Right Hand untersucht die Künstlerin mit feministischem Blick die Kampagne des Diamantenhändlers De Beers, der Anfang der 2000er Jahre die unabhängige und selbstbestimmte Frau als neue Zielgruppe ins Visier nahm. Mit gezieltem Marketing und Produktplatzierungen in Hollywood-Produktionen der 1940er Jahre hatte sich De Beers ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Nicht zuletzt führt ihre estnische Herkunft Marge Monko zu einer gesteigerten Empfindlichkeit für gesellschaftliche Normen und Systeme. Die ersten Lebensjahre in der Sowjetzeit, die großen politischen und ökonomischen Umwälzungen im Rahmen der Unabhängigkeit Estlands 1991, die postsowjetische Realität mit dem großen Nachbarn Russland, die heutige Position als europäisches Musterland in Sachen Digitalisierung: In Marge Monkos Werk scheinen all diese Zeiten und Erfahrungen Platz zu finden. Ob in Form von Fotogrammen von Strumpfverpackungen, hochglanzpolierten Werbeversprechen der 1980er Jahre oder kämpferischen Zitaten der Arbeiterbewegung, die sie mit historischen Fotografien einer Strumpffabrik collagiert. Monkos Selbstinszenierung I Don’t Eat Flowers steht stellvertretend für die selbstbewusste Definition einer Generation von Frauen, die Gleichheit und Anerkennung nicht mehr erstreiten, sondern leben.

Flankierend zu den Werken im Museumsraum realisiert Marge Monko am Berliner Platz/Jakob-Funke-Platz in Essen eine Installation mit dem Titel Die Frau von Heute. Als Ausgangspunkt dient ihr eine Fotografie der 1960er Jahre aus dem Girardet Verlag.

 

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