social media
Institut für
Kunstdokumentation und
Szenografie
Navigation

Eija-Liisa Ahtila




Eija-Liisa Ahtila: Eine Pionierin der filmischen Erzählkunst

 

Die finnische Künstlerin Eija-Liisa Ahtila gehört weltweit zu den prägendsten und international einflussreichsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Videokunst. Sie selbst versteht sich im weitesten Sinne als „Visual Artist“, deren Werk zwar im Kern auf bewegten Bildern basiert, sich jedoch mühelos über die Grenzen verschiedenster Medien wie Fotografie, Skulptur und Malerei hinwegsetzt.

Besonders wichtig ist ihr dabei das klassische „Geschichten erzählen“. Ahtila bricht jedoch radikal mit den linearen Sehgewohnheiten des traditionellen Kinos. Durch eine meisterhafte Kombination aus fragmentierter Narration und einem innovativen Umgang mit Zeit und Raum lässt sie kaleidoskopartige Installationen entstehen. Indem sie Filme zeitgleich auf mehrere, im Raum verteilte Leinwände projiziert, zwingt sie das Publikum, eine aktive Rolle einzunehmen. Die Betrachter müssen die verschiedenen Bildebenen im Kopf selbst zusammensetzen – die Geschichte entsteht so erst im Auge des Betrachters und im physischen Raum der Galerie.

 

Ihre oft psychologisch dichten Arbeiten behandeln existenzielle menschliche Themen: Identitätskrisen, geistige Labilität, Trauer, Sexualität und die fragile Grenze zwischen der inneren Realität und der Außenwelt. 

 

Die Retrospektive im K21 und das Meisterwerk „Where is Where?“

 

Ein Meilenstein ihrer Karriere war die große, umfassende Retrospektive im Jahr 2008 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21) in Düsseldorf. Im Rahmen dieser Ausstellung präsentierte sie ihre bis dahin komplexeste, politischste und aufwendigste Videoinstallation: „Where is Where?“ („Missä on missä?“). Die monumentale 4-Kanal-Projektion verwebt zwei räumlich und zeitlich weit voneinander entfernte Ereignisse:

Die historische Tragödie: Die Ermordung eines französischen Jungen durch zwei algerische Jugendliche im Jahr 1957 während des Algerienkrieges – eine Tat, die als verzweifelte Reaktion auf die Gräueltaten der französischen Kolonialherren verstanden wurde.

Die Gegenwart: Eine zeitgenössische finnische Dichterin, die in ihrem Haus in der Einsamkeit Finnlands versucht, dieses historische Trauma intellektuell und emotional zu verarbeiten.

 

In „Where is Where?“ stellt Ahtila radikale Fragen nach kollektiver Schuld, westlicher Arroganz, Kolonialismus und der Frage, wie historische Gewalt bis in unsere heutige, globalisierte Gegenwart nachwirkt. Die Zuschauer befinden sich im K21 inmitten von vier gigantischen Leinwänden und werden so physisch in den moralischen und emotionalen Konflikt des Films hineingezogen.

 

Ralph Goertz begleitete die Künstlerin beim Aufbau ihrer Ausstellung und hatte die Gelegenheit, ein Exklusivinterview mit ihr über ihre Arbeit und ihren Schaffensprozess zu führen. Vielen Dank!

facebook youtube Vimeo Instagram