Anna und Bernhard Blume
Anna (1936–2020) und Bernhard Blume (1937–2011) zählen zu den bedeutendsten Pionieren der inszenierten und performativen Fotografie in Deutschland. Bekannt für ihre oft großformatigen, absurden Schwarz-Weiß-Fotoserien, bedienten sie sich insbesondere ab Ende der 1980er bis in die 1990er Jahre intensiv des Mediums Polaroid, um bürgerliche Rollenvorbilder und Identitäten radikal zu dekonstruieren.
2010 stellte das Maison Européenne de la Photographie die Polaroids von Anna und Bernhard Blume aus. Ralph Goertz durfte das Künstlerehepaar erstmalig mit der Kamera begleiten. Entstanden ist die erste Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit mit Kurt Wettengl und dem Museum Oswall vom IKS produziert wurde. Über einen Zeitraum von drei Tagen sprach Ralph Goertz ausführlich mit dem Künstlerehepaar und erhielt einen tiefen Einblick in ihre Arbeitsweise.
Die Polaroid-Arbeiten im Fokus
Während ihre großformatigen Fotoserien akribisch geplant waren, bot die Sofortbildfotografie (oft mit einer Polaroid SX-70 aufgenommen) Raum für spontane, intime und bisweilen ungehemmte Experimente.
„Gegenseitig“ (ab 1987/1988): Diese wichtige Phase begann als Serie „gegenseitiger Bilder“. Das Paar fotografierte sich gegenseitig in Nahaufnahmen. Die Aufnahmen entstanden unter anderem in Köln und auf Teneriffa und wurden 1990 in einem legendären Fotobuch veröffentlicht.
„Principle of Cruelty“ (1988–2000): In den 1990er Jahren entwickelten sich die Polaroids zu einem zentralen, exzessiven Werkkomplex. Was bescheiden begann, eskalierte zu einer „orgiastischen, lustvollen Dekonstruktion der Physiognomie“.
Verzerrung und Deformation: In diesen Arbeiten unterzogen sich die Blumes einer Bearbeitung mit alltäglichen Haushalts- und Heimwerkartikeln. Kleiderbügel, Plastikgegenstände oder Schläuche verzerrten ihre Gesichter vor der Kamera. Das klassische Genre des künstlerischen Selbstporträts wurde so ironischerweise in eine Serie schamloser Entstellungen verwandelt.
Polaroid-Collagen: Viele Werke beschränkten sich nicht auf einzelne Bilder. Das Paar zerschnitt die farbigen Quadrate und collagierte sie direkt zu verformten, mehrteiligen Gesichtern (in einigen Fällen als Hommage an Francis Bacon).















Fotos: Ralph Goertz © IKS-Medienarchiv

